architecture, interior, technical textiles, furniture, structural design, fiber design

Betontextil 

Anne-Kathrin Kühner
Masterarbeit
Betreuung: Prof. Christiane Sauer

Kooperationspartner:
Sächsisches Textilforschungsinstitut (STFI), G.tecz Engineering GmbH

 

 

 

Das Projekt „Betontextil“ ist eine Materialstudie, die zum Ziel hat, stabile Strukturen aus den konträren Materialien Beton und Textil zu entwickeln, die bewegliche textile und stabile betonartige Eigenschaften vereint.

Beton ist als massiver Baustoff bekannt, der während der Verarbeitung aber weich und flüssig ist. Seine hohe Druckfestigkeit und die freie Formbarkeit machen den Beton zu einem vielseitig einsetzbaren Baustoff. Textilien kennen wir hingegen als weiches, bewegliches und wandelbares Material. Sie entstehen durch unterschiedliche Konstruktionen, die aus Garnen Flächengebilde werden lassen.

Für das „Betontextil“ wurden die Eigenschaften beider Komponenten vereint. Zunächst wurde basierend auf vergleichenden Untersuchungen eine Betonsorte ausgewählt, die feinkörnig, gut zu verarbeiten und hochfest ist. Anschließend wurden darauf abgestimmt textile Schlauchmaterialien entwickelt, die alkalirestistent und wasserdurchlässig sind. Beide Materialien gehen einen konstruktiven Materialverbund ein.

So entstand ein überdimensionales „Garn“, das aus einem textilen Schlauch mit Zement als Füllmaterial besteht und zunächst im trockenen Zustand formbar und beweglich ist. Nach der Zugabe von Wasser härtet es als Verbundmaterial aus.

Das „Betongarn“ wurde mit den textilen Konstruktionstechniken Weben, Stricken und Knüpfen weiterverarbeitet. Jede der Konstruktionen hat spezifische Eigenschaften. So erwiesen sich Gewebe als stabilste Konstruktion, gefolgt von gestrickten und den geknüpften Flächen. Durch Weben und Stricken entstanden formstabile Flächen, die lasttragend sein können. Das Hängen während des Aushärtens ergibt Konstruktionen, die sich der Kettenlinie folgend verformen und nach dem Härten umgedreht verwendet die ideale Form der Lastabtragung ermöglichen. Komplett bewegliche Flächen ergeben sich hingegen durch die Aneinanderreihung von Knoten, innerhalb derer der Beton verdrängt wird und das Textil als Gelenk funktioniert.

Die Potentiale des Materialverbunds wurden in vier Objekten umgesetzt: ein freistehender gestrickter Raumteiler, ein gestricktes Wandpaneel, ein gewebter Hocker, und ein beweglicher geknüpfter Betonteppich.